Nähen

Professioneller nähen mit dem Overlockfuß für die Nähmaschine

Spätestens beim Nähen des ersten Kleidungsstücks trifft man auf den Begriff Overlock. In vielen Schnittmusterebooks wird diese unter den erfoderten Materialien auch aufgelistet.

Als ich den Begriff zum ersten Mal hörte, konnte ich damit überhaupt nichts anfangen. Was bitte schön, ist denn eine Overlock? Ich befragte Google und hier die Antwort:

Eine Overlock-Nähmaschine (kurz: Overlock) dient dazu, Stoff in einem Arbeitsgang zusammenzunähen, zu versäubern und präzise abzuschneiden. Dies ist sehr zeitsparend und ermöglicht das schnelle Erstellen von professionellen Nähten. (Quelle: Wikipedia)

Kurz gesagt, es ist eine Art von Nähmaschine, die Hauptsächlich bei Kleidung zum Einsatz kommt. Schaut euch mal die Nähte in eurer gekauften Kleidung an. Seht ihr diese flache Naht an den Kanten? Das sind meistens Overlock-Nähte. Die Kanten sind feinsäuberlich zusammengenäht und versäubert. Schick oder?

Overlock zu teuer aber den Wunsch professioneller zu nähen

Natürlich wollte ich auch gleich eine Overlock-Maschine haben, aber der Anschaffungspreis war vor einem dreiviertel Jahr einfach zu hoch für mich. Ich hatte bis dahin nur ein paar Mützen und eine Pumphose für meine Kinder genäht und wusste einfach nicht, ob ich wirklich Kinderkleidung nähen kann.

Ich wollte aber trotzdem professionellere Nähte in meinen Nähwerken haben. Schließlich soll auch das Innenleben einer Pumphose oder ähnliches gut aussehen. Beim verwenden des elastischen Zick-Zackstichs, gefiel mir das Ergebnis nicht. Es sah unruhig und „billig“ aus.

Stoffkanten mit einem elastischen Zickzack-Stich und einem Overlockstich zusammengenäht und verzaubert

Hier sieht man den Unterschied: links eine Hose mit einem elastischen Zickzack-Stick und rechts eine Hose mit einem Overlockstich genäht.

Also suchte ich nach einer Lösung bzw. eine Alternative.

Günstige Alternative: Overlockfuß für die Nähmaschine

Beim Recherchieren bin ich auf den Overlock-Fuß für die Nähmaschine gestoßen. Es ist ein spezieller Nähfuß mit dem man Overlock-Stiche mit einer ganz normalen Nähmaschine nähen kann.

Rechts seht ihr einen normalen Nährfuß und links den Overlockfuß für die Nähmaschine

Links seht ihr einen normalen Nähfuß und rechts den Overlockfuß für die Nähmaschine

Den Nähfuß gibt es für viele gängige Nähmaschinentypen und kann mit einem speziellen Overlock-Stich oder einem herkömmlichen Zick-Zack-Stick verwendet werden.

Der Anschaffungspreis liegt bei knapp 10 Euro und ist im Vergleich zu einer richtigen Overlock-Nähmaschine nicht zu toppen 🙂 Für einen Anfänger wie mich, die perfekte Lösung.

Ich habe meinen Overlockfuß für die Singer Talent Nähmaschine in einem Fachhandel vor Ort gekauft, aber man bekommt ihn auch bei Amazon. Dieser Overlockfuß für die Nähmaschine (Affiliate Link) ist zum Beispiel ähnelt meinem Nähfuß sehr.

Der Overlockfuß für die Nähmaschine hat auf der rechten Seite eine Kante, die sogenannte Führungskante. Diese Kante verhindert das Einrollen des Stoffes. In der Mitte des Nähfuß befindet sich ein Steg. Beim Nähen wird über diesen das Garn gelegt und erhöht somit die Fadenmenge.

Die Stoffkanten werden an der Führungskante entlang geführt.

Die Stoffkanten werden an der Führungskante entlang geführt.

Nähen mit dem Overlockfuß für Nähmaschinen

Mit dem Overlockfuß und der passenden Stichart erhält man eine schöne flache Naht. Die Kanten sehen sauber versäumt aus und nichts wellt sich.

Naht mit dem Overlockfuß für die Nähmaschine

So sieht die Naht beim Verwenden des Overlockfußes für die Nähmaschine aus

Die Nähmaschineneinstellungen variieren etwas von Stoff zu Stoff. Daher testet die richtige Einstellung zuerst an einem Probestück. An meiner Nähmaschine (Singer Talent) haben sich für die meisten elastischen Stoff folgende Einstellungen bewährt:

  • Fadenspannung: 4-5
  • Stichbreite: 4 -5
  • Stichart: Overlock-Stich
Overlockstich für das Nähen mit einem Overlockfuß für die Nähmaschine

elastischer Stich für das Nähen mit dem Overlockfuß

Das Zusammennähen der einzelnen Stofflagen ist auch kein Problem. Man legt seine Schnitteile wie gewohnt aufeinander und platziert die Kante der Stoffe an der Innenseite der Kantenführung. Achtet beim Nähen darauf, dass euer Stoff an der Kantenführung anliegt. Im Bild oben könnt ihr sehen, was ich meine.

Mit dem Overlockfuß kann man auch ganz normal verriegeln. Das mache ich meistens nicht. Ich knote am Ende die zwei Fadenenden einfach zusammen. Das sieht dann nicht so wulstig aus.

Nachteil des Overlockfußes für die Nähmaschine

Der Nachteil beim Nähen mit dem Overlockfuß ist, dass man bei aufwendigeren Nähprojekten zwischen den Nähfüßchen wechseln und somit auch ständig die Sticheinstellungen anpassen muss. Bei der Verwendung von zwei verschiedenen Nähmaschinen entfällt das natürlich.

Ich mache es mittlerweile so, dass ich alle Arbeitsschritte, die einen bestimmten Nähfuß erfordern in einem Rutsch mache (sofern es das Schnittmuster und die Anleitung erlaubt) und dann den Nähfuß wechsel und wieder alle möglichen Arbeitsschritte mit diesem erledige. Das spart etwas Zeit beim hin- und her wechseln.

Der Overlockfuß tut sich etwas schwer, wenn die Stoffkanten nicht sauber mit der Kantenführung abschließen. Um euch ein Beispiel zu nennen: beim zusammen nähen der Außennaht einer Hosen, bei der eine Taschen mit Bündchen verwendet wird und dieses Bündchen über die Stoffkanten hinausragt. Der Overlockfuß kommt wegen der Führungskante nicht ohne Hilfe über das Bündchenrest rüber. Und da es nicht wie die Overlock-Nähmaschine über ein Messer verfügt, kann dieses Bündchenrest auch nicht während des Nähens abgeschnitten werden. Hier hilft nur, den Nähfuß anzuheben und die Führungskante über das abstehende Stoffstück zu schieben.

Mein Fazit

Der Overlockfuß für die Nähmaschine ist die kleine Investition jeden Cent wert. Er ist einfach in der Handhabung und man erzielt ein tolles professionelles Stichbild, dass die eigenen Nähwerke aufwertet.

Ein vollwertiger Ersatz für richtige Overlock-Nähmaschine ist der Nähfuß sicherlich nicht. Dazu haben die Overlock-Nähmaschinen einfach zuviele weitere Funktionen. Aber für Anfänger, die sich noch keine Verlock-Nähmaschine kaufen wollen, ist es eine schöne und günstige Zwischenlösung.

 

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16 Comments

  • Silvia

    Bei, das ist ja eine fantastische Idee!! Ich habe auch keine Overlook-Maschine und nähe nur so zum Zeitvertreib. Da denke ich wird dieses Nähfuesschen eine gute Investition und Alternative für mich sein! Habe ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag. Viele Grüsse und alles Gute für 2018 wünscht Dir Silvia 👍☺☺

    01/06/2018 at 21:40 Reply
    • nochsonemutti

      Hallo Silvia, vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass ich dir mit dem Beitrag helfen konnte. Du wirst die Kleine Investition in den Overlock-Nähfuss nicht bereuen. Deine selbstgenähte Kleidung wird viel professioneller wirken. Viel Spass damit.

      01/07/2018 at 21:24 Reply
  • Astrid

    Hallo!
    Nähe ich denn die Naht vorher mit normalem Füßchen und hinterher nochmal zum Versäumen mit dem Overlock-Fuß? Oder muss ich nur einmal das Overlock-Füßchen für den kompletten Nähvorgang hernehmen?
    Lieben Gruß und Dank vorweg
    Astrid

    03/03/2018 at 14:38 Reply
    • nochsonemutti

      Hallo Astrid,
      du nimmst nur den Overlock-Fuß und wählst den Overlock-Stick oder einen elastischen Zickzackstich zum nähen und in einem Nähvorgang hast du dann deine zwei Stoffteile zusammengenäht und versäubert. Ähnlich wie bei der Overlock 🙂 Bevor du loslegst, solltest du den Nähfussdruck noch mal an einem Stoffrest testen. Bei einigen Stoffen muss man hier etwas verstellen, damit die Naht nicht zu locker wird.
      Viele Grüße,
      Olga

      03/04/2018 at 23:22 Reply
      • Astrid

        Vielen Dank für die prompte Antwort, liebe Olga!!!
        Astrid

        03/05/2018 at 18:29 Reply
  • Sarah

    Nach deinem tollen Beitrag habe ich mir auch so einen Fuß für meine Singer Nähmaschine gekauft. An Probestücken funktioniert das auch ganz gut. Nur wenn es ans Nähen von Kleidungsstücken geht habe ich damit so meine Probleme. 1. die Nahtzigabe muss ein gekürzt werden weil mein Overlookstich deutlich schmaler ist als die üblichen 0,5-0,7 cm. 2. Ich habe das Gefühl, dass die Nähte mit dem Stich irgendwie ausleiern und am Ende seltsam verzogen aussehen. Hast du vielleicht Tips dazu?
    Liebe Grüße, Sarah

    04/22/2018 at 22:28 Reply
    • nochsonemutti

      Hallo Sarah,
      vielen Dank für deinen Kommentar und es freut mich sehr, dass dir mein Blogbeitrag weitergeholfen hat.
      Zu deinen Fragen: die Nahtzugabe muss nicht zwingend eingekürzt werden, aber das hängt vermutlich stark von der verwendeten Nähmaschine ab. Wenn du die Stichbreite auf die größte Stufe stellst, dann kommt man auf 0.5 -0.7 cm und wäre mit dem Overlockstich in der benötigten Nahtzugabe. An meiner Maschine klappt das ganz gut und bei den meisten Schnitten musst du die Nahtzugabe ja selber hinzufügen. Bei den Schnitten, wo eine Nahtzugabe bereits enthalten ist, nähe ich auch mit der größten Stichbreite und hatte bisher auch keine Probleme. Das Kleidungsstück saß immer gut.
      Hast du versucht die Fadenspannung anzupassen? Ich habe zwar nicht das Problem mit dem ausleiern und verziehen der Nähte, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es daran liegt. Probiere am besten immer an dem gleichen Stoff aus, wie die Naht am Ende aussieht und stelle die Fadenspannung so lange ein bis es passt. Ich habe in der Zwischenzeit meine Nähmaschine ausgetauscht und musste da auch erstmal die neue optimale Einstellung herausfinden.

      Viel Erfolg und wenn du weitere Fragen hast, melde dich gerne.
      Liebe Grüße,
      Olga

      04/24/2018 at 13:22 Reply
  • Karla Schulz

    Hallo Sarah,
    hab gerade Deinen Beitrag gelesen. Es gäbe da noch mehr Perfektion mit einem Nähschneider.Vielleicht kennst Du das Teil ja inzwischen Das Ding wird an die Halterung vom Nähfüsschen montiert und schneidet automatisch die Stoffreste ab.Werde ich mir irgendwann auch mal zulegen.
    LG Karla

    02/24/2019 at 10:28 Reply
  • Yvonne

    Hallo Olga.
    Ich habe auch eine Singer und den Overlockfuß. Wusstest du, dass es für die Singer auch einen Kantenschneider gibt? Der vernäht, versäubert und schneidet die Kanten. Also alles, was eine Overlock macht. Kostet um die 60 Euro. Bisher habe ich noch nicht all zu viel mit dem Overlockfuß genäht, um herauszufinden, ob ich diesen Kantenschneider wirklich brauche.
    LG
    Yvonne

    03/21/2019 at 06:46 Reply
  • Anna

    …wenn du die Kanten vor dem Nähen etwas mit Bügelstärke einsprühst und glatt bügelst, krollen die Kanten sich nicht so sehr, gibt zwar auch das tape Band, kostet aber auch viel Geld….

    04/07/2019 at 06:29 Reply
  • Ohne Overlock-Nähmaschine professioneller nähen – so geht´s! – HANDWERK

    […] Professioneller nähen mit der Nähmaschine. Mit dem Overlockfuß für die Nähmaschine und dem Overlockstich erhält man eine schöne und flache Naht. Overlock-Nähmaschine ist also nicht immer notwendig.Show more on source ► nochsonemutti.com […]

    08/27/2019 at 16:25 Reply
  • Melanie

    Hallo der Beitrag ist zwar schon ein paar Tage alt, aber vielleicht bekomme ich trotzdem noch Hilfe.
    Ich habe eine Brother Nähmaschine und der Overlookfuß war sogar in der Grundausstattung. Bisher habe ich damit Mützen ohne Probleme genäht. Jetzt habe ich mich an etwas größeres gewagt, einen zweiseitigen Loopschal aus Jersey. Die langen Seiten rollen sich schrecklich ein und ich bekomme sie nicht glatt gebügelt, aber ich habe mich Stück für Stück entlang der Naht gekämpft und den Stoff immer wieder entrollt und bündig unter den Overlookfuß geführt. Das Ergebnis war eine zippelige, wellige Naht mit der ich nicht wirklich glücklich bin.
    Den Nähfußdruck kann ich leider nicht verstellen, so wie es oft empfohlen wird. Hast du noch andere Ratschläge für mich, wie ich eine wellige, zippelige Naht verhindern kann?
    LG Melanie

    09/05/2019 at 15:55 Reply
  • Blanca

    Toller Artikel! Meine Overlockmaschine hat leider das Zeitliche gesegnet. Da ich nur noch wenig nähe, werde ich mir so einen Overlockfuß mal genauer anschauen.
    Als gelernte Schneiderin möchte ich dringend dazu raten, die Nähte mit einem normalen Stich zu nähen und den Overlockstich nur zum Versäubern zu verwenden. Die Fadenspannung ist bei den Overlockstichen oft nicht perfekt und die Nähte werden zu locker. Das fällt mir immer wieder auf Fotos im Internet auf. Außerdem ist die Nahtzugabe damit viel zu schmal. In der Industrie macht man das, um Stoff (=Geld) zu sparen, aber in einem Handwerksbetrieb würde man breitere Zugaben stehen lassen. Klar ist es ein bisschen mehr Aufwand, weil man zweimal dieselbe Strecke näht, aber der lohnt sich! 🙂

    09/16/2019 at 17:47 Reply
  • Rosemarie Deigentasch

    Der Beitrag war durch den Tip mit dem Overlock- Füßchen sehr hilfreich für mich. Da ich schon etwas älter bin, möchte ch mir keine Overlock mehr anschaffen, die Nähte auf der normalen Nähmaschin machten mich aber auch nicht grade glücklich… Also werde ich den O- Fuß mal ausprobieren. Vielen Dank dafür und liebe Grüße!

    02/10/2020 at 12:00 Reply
  • Michael Biehn

    Man muss bei diesem Overlockfuß vorsichtig sein weil dieser so ein dünnes Metal in der Mitte hat bei dem die Nadel abbrechen kann. Vielleicht kann man dieses winzige Metallstückchen herausbrechen.

    07/13/2020 at 07:57 Reply
  • MichaelBiehn

    Man muss beim Einsatz von so einem Overlockfuß dringend beachten, dass die Nadel nicht abgebrochen wird. Dieser besagte Fuß hat nämlich so ein dünnes Metall in der Mitte und wenn die Nadel genau diese Stelle trifft, etwa wenn das Zick-Zack-Muster zu eng eingestellt ist, dann trifft die genau das Metall. Vielleicht hilft es das Mittelstück vorsichtig herauszubrechen?

    07/13/2020 at 08:25 Reply
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